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Tierauswahl in der Biomilchviehzucht

Mit welchen Kühen züchten?

Unter den Kühen der eigenen Herde werden diejenigen zur Weiterzucht ausgewählt, die den eigenen Zuchtzielen gut entsprechen und die zum Betriebsstandort passen. Von solchen Tieren sollte man die weiblichen und auch die männlichen Kälber behalten. Bei diesen Kühen ist die Anpaarung mit dem passenden Stier besonders wichtig. Gibt es noch keine solchen „idealen“ Kühe in der eigenen Herde, so ist es am besten, solche auf einem anderen Betrieb zu suchen, der ähnlich wirtschaftet und die eigene Herde nach und nach mit Kühen oder Jungvieh von diesem Betrieb umzustellen. Auch die Stiere, die für den Aufbau der neuen Generation ausgewählt werden, sollen möglichst gut den Zuchtzielen und dem Betriebsstandort entsprechen. Das können Stiere für die künstlichen Besamung oder Natursprungstiere sein. Mit Natursprung wird man der Physiologie und dem seelischen Erleben der Tiere am besten gerecht.


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Natursprungstiere

Wer mit der Stierenhaltung neu beginnen will und noch wenig Erfahrung damit hat, zieht am besten die Zuchtstiere selber auf. Sie stammen aus der eigenen Herde oder von einem anderen Bio-Zuchtbetrieb, wo die Standortbedingungen ähnlich sind wie auf dem eigenen Betrieb. Wenn man den Stier jeweils nur behält bis er ca. 2 bis 2.5 Jahre alt ist, so stellt er noch kaum eine Geafahr dar und kann problemlos geweidet werden. Nebenbei ist der Schlachtpreis in diesem Alter noch sehr gut. So ist es auch eher möglich, zwei Stiere gleichzeitig zu halten, wenn man das möchte, um Inzuchtprobleme zu vermeiden.

Da man bei jungen Natursprungstieren noch nichts über die Nachzucht weiss, ist es besonders wichtig, bei der Auswahl auf die Eigenschaften der Vorfahren und der anderen Verwandten des Tieres zu achten:

  • Die Mutter und die beiden Grossmütter des Stieres sollen eine möglichst gute Nutzungsdauer und gute Lebensleistungen (wenn möglich auf dem gleichen Betrieb) erbracht haben. Dabei ist nicht nur auf die absoluten Milchleistungen zu achten, sondern diese sind immer in Relation zur Grösse der Tiere (kg Milch / kg LG) und zur Umwelt (z.B. Alpung, Kraftfuttereinsatz, Stall etc.) der Tiere zu sehen.
  • Die lebenden Verwandten des Stieres sollen den eigenen Zuchtzielen möglichst gut entsprechen (in Grösse, Tiefe, Robustheit, Fruchtbarkeit, Zellzahlen, Nutzungsdauer, Milchleistung und Exterieur).
  • Insbesondere ist bei den verwandten des Stieres auf diejenigen Eigenschaften zu achten, die in der eigenen Herde noch verbessert werden sollten.

Auch die Eigenschaften des jungen Stieres selber sind zu beurteilen; wichtige Merkmale sind:

Beim Stierkalb:

  • gutes Fundament,
  • schöne, gleichmässige Euteranlage
  • ruhiger Charakter,
  • wacher Ausdruck,
  • glänzendes Fell

Beim Jungstier:

  • gutes Fundament,
  • tiefe Flanke,
  • breite Brust,
  • gute Bemuskelung,
  • ruhiger Charakter

Es ist gut, wenn man bei dieser Beurteilung weiss, wie viel Milch der Stier bekommen hat, wann er abgesetzt wurde und wie oft er draussen auf der Weide war. (Jungstiere, die lange viel Milch bekommen haben, sehen meistens gut aus, magern aber zuerst ab, wenn sie plötzlich nur noch Raufutter bekommen.)

Zum genauen Vorgehen für eine solche Zuchtpartnerschaft siehe: „Beginn und Struktur einer betriebseigenen Zucht“ nach D. Endendijk.
Auszug aus „Beginn und Struktur einer betriebseigenen Zucht“ (.pdf)


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Stiere – künstliche Besamung (KB-Stiere)

Es ist sinnvoll, die ganze Palette der KB-Stiere zur Auswahl der am besten geeigneten zu nutzen (nicht nur diejenigen, die im aktuellen Katalog sind). Auf dieser Webseite sind diejenigen Stiere, die besonders gute Gesundheitseigenschaften zeigen, bereits aus der ganzen Palette der verschiedenen Anbieter ausgewählt. Zur eigenen Suche sind unter der Rubrik „Links“ Webseiten von Genetikanbietern aufgeführt, auf denen die Stiere gelistet sind.
Genetikanbieter Schweiz

Die KB-Stiere sind nach den für den eigenen Betrieb wichtigen und passenden Eigenschaften (z.B. Grösse, Zellzahl, Fruchtbarkeit, etc.) auszuwählen. So können auch Mängel und Ungleichgewichte in der eigenen Herde oder von Einzelkühen ausgeglichen werden. (z.B. wählt man für Kühe mit Euterproblemen einen Stier aus, der hohe Zuchtwerte für Zellzahl hat und somit tiefe Zellzahlen vererbt).
Der Zuchtwert für Nutzungsdauer sollte bei allen eingesetzten Stieren positiv sein.

Auch bei KB-Stieren ist es sinnvoll, auf die Eigenschaften, insbesondere auf die Nutzungsdauer der Mutter und der beiden Grossmütter zu achten. Besoners bei jungen Stieren, die noch nicht alle Zuchtwerte haben, ist das wichtig.

Es ist immer darauf zu achten, dass die Milchleistungsvererbung der KB-Stiere zu den Kapazitäten des eigenen Betriebes passt; das heisst, dass die veranlagten Milchleistungen der zukünftigen Kuhgeneration mit dem betriebseigenen Futter erreicht werden können. Wer die Milchleistung auf dem eigenen Betrieb nicht mehr weiter steigern möchte, setzt Stiere ein, deren Zuchtwerte nicht über dem Schnitt des Betriebes sind. Oder man kann mit einer anderen Rasse / Sektion einkreuzen, die grundsätzlich ein tieferes Milchleistungsniveau hat (zum Beispiel beim Braunvieh mit Original Braunvieh oder beim Fleckvieh mit Simmentaler).


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Weiterführende Informationen

Auszug aus „Beginn und Struktur einer betriebseigenen Zucht“(.pdf)

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© FiBL | Alle Rechte vorbehalten. Letzte Aktualisierung 01.11.2007